Stuhlgeflechte 

Ich lebe und arbeite im Allgäu. Dort ersetze ich Schritt für Schritt Flechtwerke in traditioneller Technik. 
Aufgrund meines beruflichen Werdegangs, der jahrelangen Erfahrung und der Liebe zum Detail entsteht so ein sowohl haltbares als auch ästhetisches Geflecht. 

Aufgrund des Mitwirkens an Handwerkertagen verschiedener Museen während der touristischen Hochsaison flechte ich Stühle für Kunden aus Schwaben und Bayern, aber auch den Nachbarländern Österreich und Schweiz. 


"Flechten ist... durch enge Gassen tanzen."

Marina Frey

Achteck-/Wiener Geflecht,Sonnengeflecht, SternenGeflecht, HalbsonnenGeflecht

Die ersten Diagonalen eines Wiener Geflechts werden eingezogen.

Die Rosette ist bereits mit den Strahlen eines Sonnengeflechts bestückt und wird zentriert in die Lehne eingepasst.

Ich flechte die letzte schmale Diagonale eines Sternengeflechts.

Ein Halbsonnengeflecht entsteht.

"Flechten Ist... Das Ohr auf den Herzschlag Legen."

Marina Frey

Mattengeflechte

Ich löse das ursprüngliche Geflecht so vom Stuhl, dass die Technik genau nachvollziehbar ist.

In Anlehnung an die ursprüngliche Sitzfläche polstere ich den Zwischenraum.

Ein Mattengeflecht mit versetzten Horizontalen entsteht.

Ich erstelle ein einfaches, symmetrisches Mattengeflecht

"Flechten Ist... Gedankenwandlerisch."

Marina Frey

„Mein alter Hausrock und der ganze Plunder, mit dem ich mich eingerichtet hatte – wie gut passte eins zum anderen! Ein Stuhl aus Rohr, ein Tisch aus Holz, eine Bergamo-Tapete, halb Hanf, halb Seide, ein fichtenes Brett, auf dem ein paar Bücher standen, einige verräucherte Stiche ohne Rahmen, einfach auf die alte Wandtapete genagelt; unter den Kupferstichen drei oder vier Gipsabgüsse; das alles passte in seiner Kargheit aufs allerschönste zu meinem alten Hausrock. Jetzt ist alles aus den Fugen. Die Übereinstimmung ist dahin und mit ihr das richtige Maß, die Schönheit.“ 

Dies schrieb Diderot (1713-1784) in seinem Essay „Gründe, meinem alten Hausrock nachzutrauern“. Er beschrieb ein Gefühl, aber auch seinen Wohnraum der damaligen Zeit, zu dessen Stimmigkeit ein Stuhl aus Rohr beitrug. Diderot – ein Sklave der Konvention? Sein alter Hausrock wich einem scharlachroten Luxuskleid, das er insgeheim verflucht. Der Rohrstuhl wurde durch einen Maroquinsessel ersetzt. Statt einer Bergamo-Tapete schmückte nun Damast die Wände. Die Kupferstiche wurden Rubens zuliebe verbannt. Das Fichtenbrett wurde gegen einen Intarsienschrank getauscht, der Holztisch gegen einen kostbaren Schreibtisch und die Gipsabgüsse durften einer Bronze-Venus weichen. 


Quelle: Diderot, D.: Gründe meinem alten Hausrock nachzutrauern, Berlin, dt.1991 (Original 1772), S. 5 

Diderot und D`Alambert definierten „Stuhl“ (chaise) im dritten Band (Cha-Cousècration) ihrer Enzyklopädie simpel als ein Möbel, auf das man sich setzt („espèce de meuble sur lequel on s'assied“). Das Rohr bezieht sich auf die Sitzfläche, möglicherweise auch die Lehne. Teil des von Diderot beschriebenen Rohrstuhls ist eine geflochte Sitzfläche und Lehne – vermutlich mit dem der damaligen Zeit entsprechenden Achteckgeflecht.


Quelle: Diderot, D., d`Alambert J. B.: Encyclopédie ou Dicitonnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers (Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke), Bd. 3, 1753, S. 13

Bis 1912 war dieses als das gebräuchlichstes Muster derart verbreitet, dass Wachstücher damit bedruckt wurden. So findet ein solches in Pablo Picassos „Stilleben mit Rohrgeflecht“ seine Verwendung. Die Industrialisierung leistete ihren Beitrag zur Verbreitung des Rohrgeflechts, ebenso wie die Tatsache, dass eine geflochtene Sitzfläche, eine günstige Lösung darstellte im Vergleich zu Leder oder einem Polster. Allerdings ist ein Geflecht als eine Art "Verschleißteil" zu sehen - ein Segen ist die Konstruktion der Sitzmöbel, die es möglich macht, dass Geflechte - sofern traditionell gefertigt - entfernt bzw. erneuert werden können.

Rohr- oder Joncgeflecht

Flechtrohr gilt als wichtiges Material im Möbelbau. Das schmal geschnittene Rohr stammt von der Außenhaut bereits entrindeter Stämme der Rattanpalme.


→ In mehreren Arbeitsschritten wird aus dem Flechtrohr ein haltbares Netz geflochten.

→ Das so entstehende Achteckgeflecht oder auch Wiener Geflecht (manchmal auch als Wabengeflecht bezeichnet) ist das wohl Bekannteste.